Kinderwunsch, Schwangerschaft und Geburt
Viele Menschen, die mit HIV leben, möchten eine Familie gründen. Dieser Wunsch kann gut verwirklicht werden. Eine funktionierende HIV-Therapie sorgt dafür, dass HIV weder auf Partner*innen noch auf das Kind übertragen wird.
Zeugung
Durch die antiretrovirale Therapie mit HIV-Medikamenten lässt sich das HI-Virus im Körper so weit unterdrücken, dass es selbst beim kondomlosen Sex nicht übertragen wird. Bei anderen Zeugungsmethoden kann auf HIV getestet werden.
Schutz des Kindes während Schwangerschaft und Stillzeit
Die Übertragung von HIV auf das ungeborene Kind kann heute verhindert werden. Voraussetzung ist, dass die schwangere Person eine antiretrovirale Behandlung (HIV-Medikamente) erhält und engmaschig medizinisch begleitet wird, üblicherweise durch eine HIV-Schwerpunktpraxis oder spezialisierte Ambulanz sowie durch die gynäkologische Praxis.
In Deutschland gehört es zur Routineversorgung, allen Schwangeren einen HIV-Test anzubieten. Bei einem HIV-positiven Ergebnis kann so frühzeitig mit der Therapie begonnen werden – ein entscheidender Schritt für die Gesundheit der schwangeren Person und des Kindes.
Wichtig: Im „Mutterpass“ wird lediglich dokumentiert, dass ein HIV-Test gemacht wurde; das Ergebnis wird nicht eingetragen. Auch im Untersuchungsheft des Kindes hat die HIV-Diagnose eines Elternteils keinen Platz. Verstöße gegen diese Vorgaben kommen vor – Aidshilfen und die Kontaktstelle für HIV-bezogene Diskriminierung beraten in solchen Fällen.
Aktualisierte Leitlinie: mehr Normalität und weniger medizinische Belastung
Die Deutsch-Österreichische Leitlinie zur Versorgung HIV-positiver Schwangerer wurde 2025 überarbeitet und an die neuesten Erkenntnisse angepasst. Sie dient Ärzt*innen, Hebammen und weiteren Fachkräften als diagnostischer und therapeutischer Leitfaden und gibt Eltern mit HIV wichtige Informationen zu den Behandlungsstandards. Die Neuerungen bringen mehr Flexibilität und weniger Belastung für werdende Eltern. Dazu gehören:
- eine größere Auswahl an geeigneten Therapiekombinationen während der Schwangerschaft
- eine deutlich reduzierte Anzahl an Kontrolluntersuchungen
- der Verzicht auf die Gabe von antiretroviralen Medikamenten fürs Neugeborene, wenn die Viruslast der Mutter bzw. schwangeren Person bei den letzten beiden Messungen vor der Geburt unter 50 Kopien pro Milliliter Blut lag.
- eine klare Aussage in Sachen Stillen: Bei dauerhaft unterdrückter Viruslast ist Stillen möglich.
Zudem empfiehlt die neue Leitlinie eine Beratung zur HIV-PrEP bei HIV-negativen schwangeren Personen mit fortbestehendem HIV-Risiko. Unter ärztlicher Begleitung kann die PrEP zum Schutz vor HIV auch in der Schwangerschaft genommen werden.
Geburt und Versorgung des Neugeborenen
Liegt die Viruslast mindestens sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin sowie zum Zeitpunkt der Geburt unter 50 Kopien/ml, ist eine vaginale Geburt die bevorzugte Option. Ist die Virusmenge höher, wird ein Kaiserschnitt empfohlen.
Ob das Neugeborene nach der Geburt Medikamente erhält, hängt ebenfalls von der Viruslast der Mutter bzw. gebärenden Person ab: Lag sie bei den letzten beiden Messungen vor der Geburt unter 50 Kopien/ml, ist eine prophylaktische Behandlung nicht nötig. In anderen Fällen bekommt das Baby üblicherweise für vier Wochen ein antiretrovirales Medikament.
Stillen: möglich bei nachweislich unterdrückter Viruslast
Stillen und HIV schließen sich nicht aus. Wenn die Mutter bzw. die schwangere Person während der gesamten Schwangerschaft – oder zumindest bei den letzten beiden Messungen vor der Geburt – eine Viruslast unter 50 Kopien/ml hatte, kann sie ihr Kind stillen. Vorausgesetzt wird, dass die HIV-Medikamente auch während der Stillzeit eingenommen und die notwendigen Untersuchungen der stillenden Person und des Babys eingehalten werden.
Ausführliche Infos zum Thema Stillen und HIV bietet unsere digitale Broschüre: aidshilfe.de/stillen
Unterstützung bei Diskriminierung und Unsicherheiten
Leider erleben einige schwangere Menschen mit HIV im Gesundheitswesen Vorurteile oder mangelnde Akzeptanz ihrer Entscheidungen zu Geburt und Stillen. In solchen Situationen bieten lokale Aidshilfen sowie die Kontaktstelle für HIV-bezogene Diskriminierung der Deutschen Aidshilfe Beratung und Unterstützung an. So kann eine selbstbestimmte Schwangerschaft für HIV-positive Eltern gefördert werden.